Im ländlichen Raum hapert es oft mit der medizinischen Grundversorgung. Carl Bahra hat sich darüber Gedanken gemacht und anamnese + konzipiert, ein Ultraschallsystem für die Eigendiagnose.

Kassen, an denen man seinen Einkauf selbst scannen darf oder muss, sind fast schon Standard. Dereinst könnte vielleicht ein System dazukommen, mit dem sich auch Menschen selbst scannen können. Die Idee, sich per Ultraschallgerät selbst zu diagnostizieren, hat einen ernsten Hintergrund: in den nächsten zehn Jahren verabschieden sich rund 68 Prozent der Hausärzte in den Ruhestand. Die Lücke zu füllen, ist quasi unmöglich, als Folge werden die übrig gebliebenen Praxen und Kliniken überlastet, was droht, ist der Verlust der Primärversorgung.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat Carl Bahra ein Konzept entwickelt, mit dem es auch nichtärztlichen Fachkräften möglich ist, relevante Gesundheitsdaten zuverlässig zu erfassen. Das Ultraschallsystem anamnese + wird gezielt in öffentliche Räume wie Apotheken, Schulen oder Einkaufszentren integriert und bringt diagnostische Angebote näher an den Alltag der Menschen.

Die Untersuchungsbereiche werden direkt auf den Körper projiziert, um eine intuitive Datenerfassung zu ermöglichen. Über ein integriertes Display gibt die Ultraschallsonde während der Untersuchung Echtzeit-Feedback zur Scanqualität. Eine KI analysiert kontinuierlich die Bilddaten, erkennt Artefakte und gibt einfache, handlungsorientierte Hinweise.

Das sagt die Jury

Das Ultraschallsystem anamnese + ist kein Ersatz für eine fundierte medizinische Betreuung, sondern bietet eine hilfreiche Ergänzung, um bei knapper werdenden ärztlichen Ressourcen mehr Menschen zu erreichen. Das zurückhaltend gestaltete Gerät ermöglicht eine dezentrale Datenerfassung als Grundlage zur Diagnostik in schwach versorgten Regionen, mit der die Lebensqualität dort verbessert wird. Die angedachten Standorte in öffentlich zugänglichen Räumen bauen Hürden ab und ersparen lange Wege in die nächste Praxis.
Das Gesamtkonzept hat die Jury überzeugt, da es eine ebenso naheliegende wie nachvollziehbare Unterstützung bei der Anamnese bietet, die dem Einzelnen und dem Gesundheitssystem insgesamt zugutekommt.

anamnese + von Carl Bahra
Master-Thesis WS 2024/2025
Kunsthochschule Berlin Weißensee, Produkt-Design
Betreuung durch Prof. Nils Krüger und Prof. Dr. Jörg Petruschat