Demokratie ist nie fertig, sie befindet sich im stetigen Wandel und in Aushandlungsprozessen. Die Gestaltungszentrale Politik zeigt diese auf und will politische Gestaltungskultur transformieren.

Die Gestaltungszentrale Politik ist aus der Masterarbeit von Philipp Cartier entstanden ist. Dahinter steht ein kleines Team aus Designer*innen, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen.

Das Ziel: Politik soll nicht nur Entscheidungen treffen, sondern auch bewusst gestalten. Denn heute entwickeln Politiker*innen ihre Inhalte meist allein – es gibt kaum Unterstützung für die Planung und Gestaltung der Abläufe. Dadurch bleiben viele Möglichkeiten ungenutzt. Das Projekt fragt deshalb: Wie könnte Politik aussehen, wenn es dafür eigenes Wissen und Methoden gäbe?

Um das herauszufinden, hat das Team mehrere Monate im Bundestag, im Kanzleramt und in Ministerien mitgearbeitet, Interviews geführt und Workshops veranstaltet. Dabei entstand eine neue Entwurfspraxis, die Designmethoden in politische Prozesse einbringt.

Das Ganze läuft in drei Schritten:

Verstehen – Die Abläufe und Netzwerke in der Politik werden untersucht und sichtbar gemacht.

Vermitteln – Die Ergebnisse werden in Grafiken und in einen digitalen Gestaltungsatlas Politik übersetzt. Dieses Online-Tool zeigt, wie ein Gesetz entsteht – von der Idee bis zur Verabschiedung – und macht Politik so für Bürger*innen leichter nachvollziehbar.

Verändern – Gemeinsam mit Politiker*innen werden neue Gestaltungsmöglichkeiten ausprobiert, um Entscheidungen offener und vielfältiger zu treffen.

Ein erstes Beispiel: Ein Abgeordneter hat zusammen mit dem Team seine Arbeitsschwerpunkte kartiert und neue Wege entwickelt, Themen digital zu gestalten. Die Vision ist, dass der Gestaltungsatlas künftig allen Interessierten offensteht – als Lern- und Beteiligungsplattform.

Das sagt die Jury

Anders als im Design stehen in der Politik vor allem die Ergebnisse und weniger der kreative Prozess im Vordergrund. Philipp Cartier und seine fünf Mitverfasserinnen und -verfasser bringen mit der Gestaltungszentrale Politik Designmethoden in politische Prozesse ein, um Entscheidungen explorativer zu machen.

Die Idee, politische Prozesse gestaltend zu begleiten, ist ein vielversprechender Ansatz. Vielleicht finden sich in einer neuen demokratische Gestaltungskultur Lösungsoptionen, die außerhalb der gängigen Wahrnehmung und erwartbarer Ergebnisse liegen.

Gestaltungszentrale Politik
Master-Thesis WS 2023/2024
Hochschule für bildende Künste (HFBK) Hamburg
Betreuung durch Prof. Dr. Jesko Fezer und Prof. Dr. Friedrich von Borries